PAPIER VS. DIGITALISIERUNG

Möglichkeiten, Papier- und digitale Welt miteinander zu verbinden

Köln, September 2019

Die Digitalisierung revolutioniert Prozesse in der Arbeitswelt. Das gilt auch für die Papierindustrie. Das französische Traditionsunternehmen Antalis GmbH hat seine Wurzeln im Papierhandel. Dass Digitalisierung und Nachhaltigkeitsdebatten nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance zu verstehen sind und wie das Unternehmen diese nutzt, erläutert Angelika Peled (Head of Marketing Middle Europe) im Gespräch mit dem Magazin DIE WIRTSCHAFT.


Angelika Peled, Head of Marketing Middle Europe ANTALIS GmbH

Das Interview

WIRTSCHAFT: Frau Peled, was ist das Kerngeschäft von Antalis?

Angelika Peled: Antalis war ursprünglich ein reiner Papiergroßhändler. Mit dem boomenden Online-Handel kam für uns noch ein zweiter Bereich hinzu – der der Verpackungsmaterialien. Heutzutage haben wir als dritte Unternehmenssäule auch das Feld der visuellen Kommunikation – vom Plakat über Werbebanner bis zum Roll-up können wir den Kunden hier maßgeschneiderte Produkte bieten.

WIRTSCHAFT: Was hat sich in Ihrer Branche in den letzten zehn Jahren verändert?

Angelika Peled: Lange Zeit galt das digitale, das papierlose Büro als Mythos. Der Markt für gedruckte Kommunikation hat sich durch die Digitalisierung jedoch stark verändert. Denken Sie nur an die Verschiebungen in der Bürokommunikation – E-Mail statt Briefe, digitale statt postalische Rechnungen und digitalisierte Archive statt Schränke voller Akten. Wir sind heute fast im papierlosen Büro angekommen. Doch papierlose Bürokommunikation bedeutet nicht zwangsläufig papierlose Kommunikation generell. Immer mehr Agenturen und Marketeers erkennen, dass bei aller Digitalisierung Haptik ein wichtiger Faktor unserer Wahrnehmung bleibt. „Fühlen“, das vermittelt eine gewisse Wahrhaftigkeit und kann einer Marke Attribute wie „Wertigkeit“ oder „Kreativität“ verleihen. Nun gehen sogar reine Onlinehändler wie Zalando oder Amazon dazu über, Kataloge zu drucken. Auch chefkoch.de versucht sich in gedruckten Kochbüchern. Das wirft dann wieder ein ganz anderes Bild auf unsere Branche.

WIRTSCHAFT: Unter den Digital Natives gilt Papier als uncool und wenig nachhaltig. Wie sehen Sie das?

Angelika Peled: Was in dieser Diskussion zu bedenken ist: Papier hat einen schlechteren Ruf, als es eigentlich verdient. Mangelnde Aufklärung und fehlende Information führen dazu, dass viele annehmen, eine per E-Mail versandte Rechnung sei deutlich umweltfreundlicher als die gedruckte Variante. Dabei vergisst man schnell, dass hinter Computern und Bildschirmen ein immenses weltweites Netzwerk an Großrechnern und Speicherplätzen steht, welches jede Menge Energie verbraucht.

WIRTSCHAFT: Wie gehen Sie aus Marketingsicht mit solchen Vorurteilen um?

Angelika Peled: Wir versuchen, mit Aufklärung zu überzeugen. Dafür haben wir beispielsweise ein Video erstellt mit dem Slogan „Hätten Sie gedacht …?“. Hier zeigen wir auf, dass Papier aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft ein sinnvoller Rohstoff ist, der nachwächst und wiederverwertbar ist. Dafür sind wir Mitglied in der Initiative TwoSides, die über Vorurteile gegenüber der Papierindustrie aufklärt und für einen nachhaltigen Umgang mit Papier plädiert. Außerdem haben wir das Green Star System entwickelt, um unsere Kunden im Dschungel der Zertifikate zu unterstützen. Wir beziehen unser Papier nur von nachhaltig zertifizierten Lieferanten – 95 Prozent unseres Papiers kommen aus Europa.

WIRTSCHAFT: Wie groß ist heute im Zeitalter der Digitalisierung der Markt für Papier?

Angelika Peled: Zunächst würde man vielleicht annehmen, dass der Papierverbrauch durch die Digitalisierung sinkt. Doch dieser kausale Zusammenhang besteht nicht. Im Gegenteil: Von allen G20-Staaten hat Deutschland mit 241,7 Kilogramm Jahresverbrauch an Papier pro Kopf den höchsten Wert! Das ist vor allem auf die große Menge an Verpackungsmaterialien zurückzuführen. Viele unserer Lieferanten bauen derzeit ihre Papiermaschinen um und produzieren Verpackungsmaterialien. Hier gehen wir mit der Zeit.

WIRTSCHAFT: Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie für ein Unternehmen der Papierindustrie aus Marketingsicht?

Angelika Peled: Aus Marketingsicht muss ich einen gesunden Weg finden, beide Welten – die Papierwelt und die digitale Welt – miteinander zu verbinden. Wenn ich zum Beispiel eine Einladungskampagne fahre, schicke ich eine gedruckte Einladung, danach einen Online-Reminder, die Teilnehmer melden sich über eine Website an und bekommen ihre Eintrittskarten dann ausgedruckt zugeschickt. Diese crossmediale Kommunikation ist es, die positive Reaktionen auf Kundenseite erzeugt.

WIRTSCHAFT: Wo sehen Sie Antalis in zehn Jahren?

Angelika Peled: Wir haben vor, unser Angebot noch weiter zu diversifizieren. Insbesondere im Bereich der visuellen Kommunikation sind dank unseres breiten Produktportfolios der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Erst vor zwei Jahren haben wir den Antalis Interior Design Award (AIDA) ins Leben gerufen – einen internationalen Wettbewerb, der sich an Architekten, Innenraumgestalter, Ladenbauer und Werbetechniker richtet. Alle, die einen Raum mit einem unserer Produkte gestaltet haben – ob kurzfristig, saisonal oder kampagnenbedingt –, können sich bewerben. Über die Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Kommunikationsmedien in Bezug auf Innovationen und Nachhaltigkeit aufzuklären, ist momentan mein Kerngeschäft. Wir werden auch noch in zehn Jahren Papiere im Sortiment führen – für alle kreativen Anwendungen!

Mehr Informationen zu Antalis GmbH: www.antalis-verpackungen.de

Die Clubbox

WIRTSCHAFT: Seit wann sind Sie Mitglied im Marketing Club Köln-Bonn?

Angelika Peled: Seit 2013

WIRTSCHAFT: Wenn Sie den Club in drei Worten beschreiben müssten …

Angelika Peled: Ein starkes Netzwerk. Informativ. Inspirierend.

WIRTSCHAFT: Warum sollte man Mitglied im MCKB werden?

Angelika Peled: Für den Erfahrungsaustausch, um Trends zu diskutieren, neue Unternehmen kennenzulernen und sein Netzwerk auszubauen.

WIRTSCHAFT: Wo hinterlassen Sie Spuren mit Ihrer Arbeit beim MCKB?

Angelika Peled: Indem ich Ideen aufgreife und sie bei Antalis umsetze. Beispielsweise ist durch den MCKB eine Partnerschaft mit Franz-Josef Baldus (koelnkomm) entstanden. Nun setzen wir gemeinsam „Print-Snacks“ für innovative Social-Media-Videos zur Animation von Printprodukten um.

WIRTSCHAFT: Was war der beste Moment, den Sie im MCKB erlebt haben?

Angelika Peled: Unser Marketing-Club-Abend mit Anouk Susan Ellen über Selbstmarketing für Frauen. Ein superspannender Abend mit vielen neuen Kontakten und Denkanstößen auf dem Weg zum Glück – dank dem MCKB!

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