Digitale Hilfe in der Krise

Digitale hilfe in der krise.

Tim schneider im gespräch über
das projekt
veedelsretter.koeln

Bereits während seines Studiums der Medieninformatik lernte Tim Schneider kennen, mit dem er 2008 die Digitalagentur Railslove gründete. In seiner Rolle als Produkt-Stratege arbeitet er vor allem in der Konzeption neuer Produkte für das Web. Leidenschaftlich gerne taucht er dazu mit Fachleuten tief in deren Arbeitswelten ein, um gemeinsam nach neuen digitalen Lösungen zu forschen. Seit 2012 lehrt Tim Schneider im internationalen Master-Studiengang “Web Science” an der TH Köln.

Das Interview

Können Sie kurz Ihr Unternehmen vorstellen?

Schneider Bei Railslove handelt es sich um eine Agentur für digitale Produktentwicklung, mit Büro in der Kölner Südstadt. Unser Team besteht aus Software-Architekten, Designern und Produkt-Strategen und begleitet seit über 12 Jahren Unternehmen auf dem Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Digital Produkt. Seit jeher engagieren wir uns für die Kölner Digital-Szene durch das Ausrichten von Meetups und Konferenzen, der Gründung und Unterstützung von Coworking Spaces oder durch die Organisation von Benefiz-Veranstaltungen wie dem jährlichen Kleinfeld-Fußball Turnier “Kick doch eene met” zu Gunsten der Fortuna Köln Damenmannschaften.

Wie ist die Idee zu veedelsretter.koeln entstanden?

Schneider Als uns allen bewusst wurde, wie groß die wirtschaftlichen Schäden durch die Pandemie sein würden und wir auch selbst als Agentur gemerkt haben, dass die ersten Aufträge abgesagt werden, wollten wir aktiv werden. Auch unser Team hat natürlich seine Lieblingsorte in Köln und wir sind daran interessiert, dass es den Betrieben und seinen Kunden in Köln gut geht und die Stadt ihren Charme behält. Wir sind davon überzeugt, dass gerade die kleinsten Betriebe, Solo Selbständige, Kreative, Clubs, Bars oder Kneipen den Reiz der Kölner Veedel ausmachen und gerade jetzt in der Krise unbürokratische, solidarische Unterstützung benötigen. Dann geschah alles sehr ad-hoc. Die Idee stand, der Kontakt zu KölnBusiness ebenso und alle waren extrem motiviert, das Projekt auf dem schnellsten Wege umzusetzen. Mit einem Team aus 5 Personen haben wir dann in nur 72 Stunden www.veedelsretter.koeln ins Leben gerufen. Nur wenige Tage später mussten wir das Team allerdings auf nunmehr 22 Leute aufstocken, da wir vom Erfolg und der damit verbundenen Arbeit schier überrascht wurden. Das wir innerhalb von zwei Wochen über 190.000,- € einsammeln würden, hätten wir zu Beginn des Projekts noch nicht gedacht. Insgesamt haben sich bislang über 500 Unternehmen auf der Plattform registriert.

Wie würden Sie die Idee in kurzen Worten beschreiben?

Schneider Zunächst können sich die Lokale, Geschäfte, Kultureinrichtungen oder Solo-Selbstständige kostenfrei auf unserer Plattform registrieren. Das sind nur wenige Klicks in denen man ein Profil erstellt, sein Logo hochlädt, sich verifiziert und Gutscheine anlegt. Kundinnen und Kunden können die Unternehmen dann über unser Veedel-Verzeichnis und die Suche finden und einen Gutschein für eine Dienstleistung oder über einen Wert einkaufen. Zudem kann jeder durch den Veedelssoli einen Betrag ohne Gegenleistung an ein Geschäft abgeben. Als Veedelsretter erhält man seinen Gutschein per Email, in Form eines QR-Codes. Über den aktuellen Stand und teilnehmende Läden informieren wir auf unseren Social Media Kanälen, das Marketing ist hier zentral und vor allem durch die Emotionen aller Beteiligten getrieben. Die Unternehmer, die auf Hilfe hoffen, die Kunden, die sich gern solidarisch zeigen möchten und auch wir selbst natürlich – jeder hat einen starken emotionalen Bezug zu seiner Stadt, zu seinem Veedel, seinem routinierten Alltag mit den Lieblingsgeschäften, den belebten Straßen. Wir haben daher nach kurzer Zeit begonnen möglichst viele unserer registrierten Geschäfte und die Menschen dahinter persönlich vorzustellen. Gleichzeitig, und das wird spürbar, sorgen wir so auch für einen gerade jetzt benötigten Schub was das Zusammengehörigkeitsgefühl im Veedel angeht.

Welche Learnings werden Sie in die Zeit nach der Krise mitnehmen?

Schneider Über die Krise hinweg in die Zukunft zu blicken, das fällt auch uns natürlich noch schwer. Schon jetzt aber scheint nach unserer Beobachtung bei vielen Menschen das Bewusstsein dafür gestiegen zu sein, welche Produkte, welche reichhaltigen Unterhaltungsangebote und welcher Freiraum uns allen eigentlich zur Verfügung steht, was alles als normal empfunden wird, wenn gerade keine Corona Einschränkungen herrschen. Die Wertschätzung für die lokalen Unternehmen und die harte Arbeit die dahinter steckt – ob in der Gastronomie, im Einzelhandel, ganz zu schweigen von der Arbeit in der Medizin und Pflege – die wird in der Gesellschaft hoffentlich weiter steigen. Wir als Railslove fühlen uns nach den ersten beiden Wochen im Home Office gestärkt in unserer Art zu arbeiten und im Vertrauen innerhalb des Teams. Remote seine Aufgaben zu erledigen war bereits vorher bei uns etabliert, vielleicht wird es hier zumindest in kleinen Schritten auch mehr Bewegung in der Arbeitswelt geben.

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